Wie der Stern über Betlehem zu leuchten begann

von Lydia Gradehandt

Die Weihnachtsgeschichte wird aus der Sicht der Engel erzählt. Im Mittelpunkt steht der Engel Meira,
deren Name „die Leuchtende“ bedeutet, obwohl sie noch keinen Heiligenschein besitzt.
Während Maria und Josef im Dunkeln nach Bethlehem ziehen, soll Meira den Stern über der Stadt zum Leuchten bringen.
Nach einigen Schwierigkeiten erkennt sie, dass nicht äußere Schönheit, sondern geduldiges Dienen
und der Einsatz für andere zählen.
Schließlich weist der leuchtende Stern Maria und Josef den Weg zum Stall.

Sprechrollen:

  • Erzähler oder Erzählerin
  • Meira (Meh-ee-rah), Engel
  • Elior, Engel
  • Uriel, Engel
  • Maria
  • Josef
  • Wirt oder Wirtin 1
  • Wirt oder Wirtin 2
  • mehrere Engel mit kurzen Einzeltexten
  • mindestens ein Hirte oder eine Hirtin

Weitere Rollen ohne zwingenden Einzeltext:

  • zusätzliche Engel
  • weitere Hirten und Hirtinnen

Requisiten: Stern über Betlehem, Wolke, Feuerstelle, ein Heiligenschein pro Engel, kleine Harfe, Poliertuch, Krippe, Puppe (Jesuskind)

Szene 1:

Erzähler:

Herzlich Willkommen zu unserem Krippenspiel! Heute möchten wir die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht der Engel erzählen.
Engel kommen in der Bibel sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament vor.
Manche haben Flügel und andere nicht. Engel sind Boten Gottes und verkünden seinen Willen.
Sie beschützen Menschen und geben ihnen Kraft und Zuversicht. Sie loben und verehren Gott.

Wir reisen nun zurück in eine Zeit vor 2000 Jahren, eine Zeit ohne elektrisches Licht und ohne Straßenbeleuchtung.
Lasst uns nun unsere Blicke auf den Engel Meira richten. Meira hat ein Problem, dass sie sehr beschäftigt.

(Meira tritt auf. Sie trägt keinen Heiligenschein und wirkt traurig.)

Meira: Hallo, darf ich mich vorstellen? Ich bin Meira. Mein Name bedeutet auf hebräisch die „Leuchtende“.
Leider passt der Name nicht wirklich zu mir. Wie Ihr seht, habe ich keinen leuchtenden Heiligenschein.
Und ansonsten leuchtet auch nichts an mir.

(Sie breitet die Arme aus und schaut an sich herunter. Die anderen Engel kommen. Alle haben Heiligenscheine.)

Elior: Habt Ihr es schon gehört? Kaiser Augustus hat den Befehl erlassen, dass sich alle Leute in seinem großen Reich
in Steuerlisten eintragen lassen müssen. Alle begeben sich dazu in ihre Heimatstadt.

Uriel: Da müssen die armen Menschen aber bestimmt weite Strecken zurücklegen und dass, wo es doch schon so früh dunkel wird.

Elior: Da kommen wir ins Spiel! Wir haben die Aufgabe, die Wolken wegzuschieben.
Am Abend und in der Nacht sollen die Wolken nicht Mond und Sterne verdecken.
Es soll auch nicht auf die Reisenden regnen. Die Sterne müssen poliert und zum Leuchten gebracht werden.
Macht Euch an die Arbeit! Meira, Du übernimmst die Sterne über der kleinen Stadt Betlehem. Fang gleich mal an!

Meira: Oh, nein! Durch Polieren werde ich mir nie einen Heiligenschein verdienen!

Elior: Meira, du musst geduldig dem Herrn dienen! Die Aufgabe ist wichtig!
Immerhin kam der große König David aus der Stadt Betlehem.

(Meira fängt sichtlich gelangweilt an, einen Stern zu polieren. Die anderen Engel schieben eine Wolke weg.)

Meira: Ach, wie schön wäre es, wenn ich mir meinen Heiligenschein verdienen könnte. Ich würde so schön leuchten.
Alle würden schon von weitem sehen, dass ich ein Engel bin.

(Dann hört Meira auf zu polieren und träumt.)

Uriel: Wenn Du den Stern zum Leuchten bringen willst, musst Du weiter polieren!

(Die Engel außer Meira gehen ab. Meira poliert weiter, bis die Engel außer Sichtweite sind.)

Meira: Ich könnte Harfe spielen und Gott loben. Wenn ich lange genug übe, spiele ich bestimmt gut genug für einen Heiligenschein.

(Meira spielt auf der Harfe. Die anderen Engel kommen zu Meira.)

Uriel oder anderer Engel: Jetzt ist echt keine Zeit zum Harfe spielen. Auch wenn Du dringend noch üben musst.

(Meira packt enttäuscht die Harfe weg. Maria und Josef machen sich auf den Weg.)

Einer der Engel: Schaut da kommen Maria und Josef. Sie haben wegen der Volkszählung den weiten Weg von Nazaret in Galiläa nach Betlehem in Judäa auf sich genommen. Sie sind schon seit mehreren Tagen auf unebenen Wegen durch das Bergland unterwegs.

Meira: Wie weit ist das denn?

Elior: 150 bis 200 km! Und dabei erwartet Maria ein Kind. Es ist ein ganz besonderes Kind! Es ist der Sohn Gottes, der Retter der Welt! Der König der Könige!

Meira: Oh, ein König! Vielleicht könnten wir einen Wettbewerb machen, wer die schönsten Flügel hat.
Ich habe wunderschöne Flügel! Der König könnte der Schiedsrichter sein und verleiht mir dann bestimmt als Siegerin einen Heiligenschein.

Uriel: Sei nicht albern! Marias Kind kommt doch als Baby zur Welt und kann noch gar kein Schiedsrichter sein.
Vor allem kommt es aber nicht auf die äußere Schönheit, sondern auf die innere Schönheit an. Statt so eitel zu sein, solltest du dich besser auf deine Arbeit konzentrieren.

(Meira poliert weiter.)

Szene 2:

Maria: Josef, hast du das gehört? Wie lange ist es denn noch? Ich bin müde und meine Füße tuen mir so weh.

Josef: Wir müssten bald in Betlehem sein. Es ist schwer zu sagen. Ich kann keinen Stern entdecken. Es ist so düster! Man sieht kaum seine Hand vor Augen. Hoffentlich verirren wir uns nicht.

(Uriel schaut Meira an und räusperst sich missbilligend.)

Meira: Ich werde sie mit meiner Harfe aufheitern.

(Meira zupft die Harfe an.)

 

Maria: Ich glaube, ich habe eben Musik vernommen. Gott wird seine Engel senden, um uns zu beschützen. Daran glaube ich ganz fest! Er hat mir ja auch den Engel Gabriel gesandt. Du weißt, er hat verkündet, dass ich ein heiliges Kind bekommen werde. Er wird der Sohn des Höchsten sein. Jesus soll er heißen.

Josef: Schau da vorne brennt ein Licht, es scheint eine Herberge zu sein.

(Josef und Maria gehen zur Herberge und klopfen an. Der Wirt öffnet die Tür.)

Wirt 1: Guten Abend! Sie wünschen?

Josef: Guten Abend! Ist es richtig, dass wir uns bereits in Betlehem befinden?

Wirt 1: Ja, Sie sind hier in Betlehem.

Maria: Könnten wir bei Ihnen übernachten?

Wirt 1: Leider ist meine Herberge schon voll. Aber wenn sie dem Weg ein kurzes Stück weiter folgen, sind sie gleich an der nächsten Herberge.

Josef: Dann gehen wir zügig weiter. Gute Nacht!

 

(Meira ist am Polieren. Josef und Maria kommen bei der nächsten Herberge an.)

Meira: Ich glaube jetzt habe ich den Dreh raus. Eben hat der Stern schon ein wenig gefunkelt. Wenn ich mich ganz dolle konzentriere, leuchtet der Stern bald ganz hell, um dem heiligen Paar zu leuchten!

 

(Josef klopft an und der Wirt öffnet.)

Josef: Guten Abend, guter Mann! Wir benötigen dringend eine Unterkunft.

Wirt 2: Hier ist leider wirklich nichts mehr frei. Wegen der Volkszählung sind alle Herbergen leider voll belegt.

Josef: Frau ist erschöpft und erwartet ein Kind! Bitte lassen sie uns ein! Wir irren schon seit Stunden durch die Nacht.

Wirt 2: Ich kann da leider nichts für sie tun!

(Der Wirt schließt die Tür. Josef und Maria gehen weiter.)

 

Uriel: Ich kann das nicht mehr mit ansehen, wie Maria und Josefs durchs Dunkel irren. Nicht, dass die schwangere Frau noch stürzt! Gib mir den Stern! Du machst das ganz falsch! Das ist die komplett falsche Wischtechnik! Ich bringe den Stern zum Leuchten!

Meira: Nein, was fällt Dir ein! Es ist meine Aufgabe!

(Uriel versucht Meira den Stern zu entreißen. Sie rangeln um den Stern. Meira hält ihn fest und entreißt ihn Uriel und schleudert ihn dabei aus Versehen weg.)

Ein Engel: Oh, nein! Der Stern fällt!

(Der Stern leuchtet jetzt hell und hat einen leuchtenden Schweif. Die Engel erstarren vor Staunen.)

Maria: Siehst Du diesen Stern über Betlehem! Wie hell er leuchtet! Lass uns diesem Stern folgen. Vielleicht führt er uns ja zu einem Nachtlager.

(Maria und Josef folgen dem Stern und kommen zum Stall.)

Maria: Josef, ich denke es ist so weit! Ich bekomme mein Kind. Lass uns hier im Stall bei Ochs und Esel übernachten. Wenigstens ist es warm und wir haben ein Dach über dem Kopf. Wir können das Baby in die Futterkrippe legen.

(Jesus wird geboren. Maria legt Jesus in die Krippe.)

 

Szene 3:

Elior: Halleluja! Gelobt sei Gott der Herr! Gottes geliebter Sohn ist geboren!

(Die Engel strahlen und sind glücklich. Der Streit ist vergessen.)

Die anderen Engel antworten: Halleluja! Gelobt sei Gott der Herr!

Elior: Liebe Meira, da Du den Stern über Bethlehem zum Leuchten gebracht hast, hast du die deinen Heiligenschein verdient!

(Elior setzt Meira feierlich den Heiligenschein auf.)

Meira: Oh, wie bin ich glücklich! Wir müssen den Menschen verkünden, dass Jesus geboren ist. Damit sie genauso glücklich sind wie wir. Alle Könige müssen zum König der Könige gehen und ihn verehren.

Elior: Nur Geduld! Die Könige werden schon noch kommen. Aber wir bringen die frohe Kunde als erstes den Hirten, die in der Nähe auf dem Felde Nachtwache halten. Diese einfachen Menschen sind von Gott auserwählt, als Erste die frohe Botschaft zu hören.

 

(Die Hirten begeben sich zur Feuerstelle. Die Engel gehen zu den Hirten. Die Hirten erschrecken.)

Engel: Fürchtet Euch nicht, denn wir verkünden Euch eine große Freude!

Meira: Heute ist Euch und dem ganzen Volk der Retter geboren.

Engel: Er ist Christus der Herr.

Engel: Der Stern soll Euch als Zeichen dienen. Ihr werdet ein Kind finden, dass in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt.

Alle Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und allen Menschen Friede auf Erden!

(Die Engel gehen ab.)

 

Hirt: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat!

(Die Hirten gehen zur Krippe.)

Alle: Fröhliche Weihnachten!