Lydia Gradehandt 1

Das verlorene Schaf

von Lydia Gradehandt (2025)

 

Das Stück verknüpft die Weihnachtsgeschichte mit dem biblischen Motiv des verlorenen Schafes.
Die Suche nach Kalli spiegelt die Botschaft wider, dass kein Lebewesen vergessen oder aufgegeben werden soll.
Kurz vor der Geburt Jesu verirrt sich das kleine Schaf Kalli. Während die übrigen Hirten die Suche wegen der Dunkelheit aufgeben, will das Hirtenmädchen Momo sein Schaf nicht im Stich lassen.
Gleichzeitig suchen Maria und Josef vergeblich nach einer Unterkunft. Nachdem Engel den Hirten die Geburt Jesu verkündet haben, führt der Stern alle zum Stall.
Dort findet Momo nicht nur das verlorene Schaf wieder, sondern begegnet auch dem neugeborenen Jesuskind.

Sprechrollen:

·         Judith, Erzählerin und Hirtin
·         Momo beziehungsweise Salome, Hirtenmädchen
·         Stefan, Hirte
·         Anna, Hirtin
·         Mischa, Hirte
·         Martha, Hirtin und Wirtin der „Schafsweide“
·         Bäuerin
·         Maria
·         Josef
·         Engel 1
·         Engel 2

Weitere Rollen:

·         zusätzliche Engel
·         weitere Hirten und Hirtinnen
·         verlorenes Schaf Kalli, als Kind oder Stofftier darstellbar
·         Hund, im Manuskript als Stofftier vorgesehen
·         weitere Schafe nach Gruppengröße

Hinweis zur Rollenliste

Im einleitenden Rollenverzeichnis wird kein Jonas aufgeführt. In der ersten Szene heißt es jedoch: „Die anderen Hirten, auch Jonas, kommen.“
Für eine endgültige Besetzung sollte daher entschieden werden, ob Jonas als zusätzliche Hirtenrolle aufgenommen oder die Erwähnung gestrichen wird.

Requisiten: Holzstücke, Feuerstelle, Schüsseln, Brot, eine Decke, Triangel, Krippe, Puppe (Jesuskind), Schaf, Hund (Stofftiere), Laterne


Szene 1

Judith:            Herzlich Willkommen zum diesjährigen Krippenspiel. Ich bin Judith und komme aus Bethlehem. Dort bin ich Hirtin und versorge die Schafe. Ich mache das schon seit vielen Jahren. Es ist eine ordentliche Arbeit, man ist viel draußen und zumeist passiert nichts Aufregendes. Doch an einem Abend war das anders. Anna, Mischa, das Hirtenmädchen Momo und ich trieben die Schafe zusammen. Wir brachten die Schafe auf die Wiese hinter dem Gasthaus „Schafsweide“. Die Hirtin Martha hat hier noch ein zweites Standbein. Sie hat ein kleines Gasthaus von ihrer Tante geerbt und vermietet dort Zimmer während der Saison. Im Winter lohnt sich das ja nicht. Außer als die Volkszählung war, da natürlich. Da mussten ja alle Leute in Ihre Geburtsstadt reisen und sich registrieren lassen. Daher war Martha noch sehr im Gasthaus beschäftigt. Aber seht selbst:

(Martha bringt Holz ans Feuer. Am Feuer sitzt ein Stoffhund.)

Martha:           Wo bleiben nur die Hirten. Sie müssten schon längst da sein! Hat sie jemand gesehen?
Stefan:           Ja, ich! Ich komme gerade zurück. Ich habe die Zäune in Richtung Süden kontrolliert. Da habe ich die anderen getroffen. Sie kommen gleich nach. Sie wurden noch aufgehalten. Ich helfe Dir schonmal mit dem Feuer. Es wird kalt.
(Die anderen Hirten, auch Jonas, kommen.)
Martha:           Da seid Ihr ja endlich! Was hat Euch denn so lange aufgehalten?
(Momo tritt gegen ein Holzstück setzt sich auf den Boden mit verschränkten Armen und zieht seine Mütze ins Gesicht.)
Anna:              Eins der kleinen Schafe ist vom Weg abgekommen. Wir konnten es nicht finden. Es ist das dumme Schaf, dass sich so oft von der Herde entfernt.
(Momo zieht seinen Hut nach hinten. Er scheint geweint zu haben.)
Momo:            Das Schaf hat einen Namen. Es heißt Kalli! Und es ist nicht dumm, sondern einfach sehr neugierig!
Stefan:           Jetzt beruhige Dich doch erst einmal.
Judith:            Es tut mir echt leid, aber wir konnten nicht länger nach ihm suchen. Wir mussten uns und die Herde in Sicherheit bringen. Schließlich wird es gleich dunkel.
Momo:            Kalli ist dann ganz allein im Dunkeln. Bestimmt findet er nicht zurück und hat schreckliche Angst. Wir müssen Kalli suchen!
Mischa:          Jetzt sei doch vernünftig, Junge! Wir können uns nicht in Gefahr bringen wegen eines vom Wege abgekommenen Schafes.
Stefan:           Es ist im Dunkeln sehr gefährlich da draußen. Man kann ja im Dunkeln schnell vom Weg abkommen.
Martha:          Das tut mir aber leid! Ich weiß ja wie Du an dem frechen Schäfchen hängst! Aber ich bin auch sehr froh, dass alle anderen sicher hier sind. Es wäre zu riskant nochmal loszuziehen.
Anna:              Irgendwie ist es Kalli ja auch selber schuld. Es wird dem Tier eine Lehre sein.
Momo:            Aber es ist da ganz allein. Es könnte von einem wilden Tier angegriffen werden oder im Dunkeln stürzen.
Mischa:          Du könntest einem der anderen kleinen Schafe einen Namen geben. Die sind doch alle sehr süß. Da vergisst Du das verlorene Schaf ganz schnell.
Momo:            Niemals würde ich Kalli vergessen!
Stefan:           Morgen bei Tageslicht finden wir das Schaf bestimmt wieder.
Martha:          Jetzt esst erst einmal was und dann sehen wir weiter!
(Momo versteckt sich wieder unter seinem Hut. Die Hirten zucken mit den Schultern und setzen sich nieder. Martha verteilt Schüsseln mit Essen.)

Szene 2:

(Maria und Josef kommen langsam näher.)
Maria:             Josef, ich kann nicht mehr. Ich muss mich kurz setzen.
Josef:             Maria, wir müssen weiter! Es wird gleich dunkel. Wir brauchen dringend eine Unterkunft!
Maria:             Gott wird einen Weg finden uns zu beschützen.
Josef:             Schau, da hinten ist ja eine Herberge.
(Maria und Josef gehen zur „Schafsweide“ und klopfen. Momo öffnet.)
Josef:             Hallo, wer bist Du denn?
Momo:            Hallo, ich bin das Hirtenmädchen Salome, aber alle nennen mich kurz „Momo“. Habt Ihr mein Schaf gesehen? Es ist etwa so groß. (Er zeigt die Höhe mit der Hand an.) Es hat sich draußen verlaufen!
Maria:             Leider haben wir dein Schaf nicht gesehen.
(Martha und Stefan kommen von hinten.)
Martha:          Guten Abend! Kann ich etwas für Sie tun?
Josef:             Wir benötigen dringend eine Unterkunft!
Martha:          Wir haben leider keinen Schlafplatz.
Josef:             Wir sind schon an jedem Gasthaus abgewiesen worden. Meine Frau erwartet ein Kind.
Martha:          Es tut mir so leid. Ich kann Ihnen nur ein Stückchen Brot für den Weg mitgeben.
Momo:            Aber Du kannst die Leute doch nicht wegschicken. Es ist gefährlich da draußen!
Martha:           Es geht nun mal nicht. Hier haben Sie ein Stück Brot für die Reise. Aber mehr kann ich nun wirklich nicht tun! Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Suche nach einer Unterkunft!
(Josef und Maria gehen ein Stück weiter. Stefan eilt Ihnen nach.)
Stefan:           Wartet! Auf der anderen Seite des Hügels ist ein Bauernhof. Dort ist vielleicht noch Platz für Euch. Hier habt Ihr meine Laterne. Die soll Euch leuchten.
(Josef nimmt die Laterne und dankt Stefan.)
(Josef und Maria gehen weiter.)

Szene 3:

Maria:             Josef, ich glaube es ist bald soweit. Ich werde mein Kind bekommen.
Josef:             Alles wird gut werden. Wir vertrauen auf Gott. Schau, da ist der Bauernhof. Da fragen wir, ob diese Leute ein Zimmer für uns haben.
(Josef klopft an. Eine Bäuerin kommt an die Tür.)
Josef:             Gute Frau, haben sie einen Platz zum Übernachten für uns.
Bäuerin:         Wir sind kein Gasthaus.
Josef:             Wir sind wegen der Volkszählung nach Bethlehem gekommen und finden einfach keinen Schlafplatz.
Maria:             Ich werde bald mein Kind bekommen. Bitte, wir benötigen unbedingt einen Platz zum Schlafen.
Bäuerin:         Sie arme Menschen! Im Haus kann ich keine Fremden übernachten lassen. Aber da hinten ist ein Stall, da könnten sie übernachten. Es wäre besser als gar nichts.
Josef:             Was meinst Du, Maria?
Maria:             Lass uns im Stall schlafen. Alles wird gut werden!
Josef/Maria:   Vielen Dank!
(Maria und Josef gehen zur Krippe. Jesus wird geboren.)

Szene 4:

Momo:            So, jetzt müssen wir nach Kalli suchen!
Anna:             Jetzt wird geschlafen. Es ist zu spät!
Stefan:           Es war ein anstrengender Tag!
Momo:            Dann gehe ich alleine suchen!
Mischa:          Du bleibst mal schön hier und schläfst.
Stefan:           Es ist viel zu gefährlich, erst recht für so ein kleines Mädchen.
(Die Hirten schlafen, nur Momo nicht. Die Engel nähern sich. Eine Triangel wird angeschlagen.)
Momo.            Wacht auf! Wacht auf! Schaut nur!

(Die Hirten wachen auf und erschrecken.)

Engel 1:         Fürchtet Euch nicht, denn wir verkünden Euch eine große Freude!
Engel 2:          Heute ist Euch und dem ganzen Volk der Retter geboren.
Engel 1:          Er ist der Christus, der Herr.
Alle Engel:     Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

(Die Engel schweben davon. Sie versammeln sich bei der Krippe.)

Judith:            Der Heiland ist geboren! Lasst uns das Kind in der Krippe sehen.

Stefan:           Seht Ihr den Stern über Bethlehem. Er leuchtet hell und klar.
Anna:              Wir folgen dem Stern. Er wird uns zur Krippe führen.
Mischa:          Wie kann denn der Retter der Welt, in einem einfachen Stall geboren werden? Dort schlafen doch eigentlich die Tiere.
Martha:          Wenn die Engel es verkündet haben, muss es so sein!
Stefan:           Ausgerechnet uns Hirten haben die Engel die Geburt Christus verkündet!
Momo:            Ja, aber erst müssen wir das verlorene Schaf finden!
Mischa:          Dem Heiland die Ehre zu erweisen ist doch viel wichtiger als dein kleines Schaf.
Momo:            Ich bin erst bereit für den Retter der Welt, wenn das kleine Schaf gerettet ist.
Martha:           Wer weiß, vielleicht ist ja die Rettung nah. Jetzt wo der Heiland geboren wurde.
Judith:            Der Junge hat ein gutes Herz! In dieser Heiligen Nacht soll niemand unglücklich und verloren sein. Momo und ich suchen nach dem Schaf. Vielleicht kann ja der Hund die Spur erschnüffeln.

(Die Hirten gehen zur Krippe. Judith und Momo machen sich mit dem Hund auf die Suche nach dem Schaf. Beide Gruppen machen sich in entgegengesetzte Richtungen auf den Weg.)

(Die anderen Hirten kommen zuerst an, dann folgen Judith und Momo.)

Judith:            Die Spur hat uns hergeführt. Hier zum Stall unter dem leuchtenden Stern!
Stefan:           Habt Ihr das verlorene Schaf gefunden?
(Momo erblickt das verlorene Schaf, dass sich ins Heu eingekuschelt hat.)

Momo:            Da ist es ja, mein Schäfchen. Kalli, Du bist in Sicherheit! Der Stern hat Dich hergeführt. Auch Du willst beim Jesuskind sein!
Martha:          Gott sei Dank!
Mischa:          Es ist wahr! Der Heiland ist geboren!
Anna:             Gepriesen sei der Herr!

Stefan:           Fröhliche Weihnachten und Friede allen Menschen.

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