{"id":167,"date":"2020-03-08T16:19:06","date_gmt":"2020-03-08T15:19:06","guid":{"rendered":"http:\/\/krippenspiele.d-hauser.com\/?page_id=167"},"modified":"2020-03-08T18:51:05","modified_gmt":"2020-03-08T17:51:05","slug":"walther-gottfried-seidner","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/krippenspiele.d-hauser.com\/?page_id=167","title":{"rendered":"Walther Gottfried Seidner"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">DIE MARKTWEIBER VON <strong>BETHLEHEM <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>oder <em> <br>Auf den alten Kaiser los&#8230; <br><\/em><\/strong><em>(Kundmachung zur Geburt Christi) <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gestalten: <strong>Joseph, Maria. <br>Ester, Hanna, Magdalena, Ruth, Tamar. <br>Abab, ein Hirte, Eliud, ein Sklave, Stimme des Herodes. <br>I<\/strong>. <strong>IN NAZARETH oder <br>Der M\u00e4chtige und seine &#8222;Schutzgelder&#8220; <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Maria<\/strong>: Du siehst so abgeh\u00e4rmt aus. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Dir sollte es nicht zu Herzen gehen. <strong> <br>Maria<\/strong>: Was dich bek\u00fcmmert, macht auch mich betroffen. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Vorhin wurde ein Befehl ausgetrommelt. Auf Lateinisch, &#8211; versteht sich. Zachai, der Gerichtsschreiber, hat mir den Befehl des Kaisers ins Aram\u00e4ische \u00fcbersetzt. <strong> <br>Maria<\/strong>: Des Kaisers? <strong> <br>Joseph<\/strong>: Du hast keinen Grund, besorgt zu sein. <strong> <br>Maria<\/strong>: Wie sollte ich nicht besorgt sein? Kl\u00e4r mich bitte auf&#8230; <strong> <br>Joseph<\/strong>: Alle, die fremd sind hier in Nazareth, m\u00fcssen sich dorthin begeben, woher sie stammen. In den kommenden Tagen muss ich mich also nach Bethlehem begeben. <strong> <br>Maria<\/strong>: Nach Hause? Das ist ja herrlich! <strong> <br>Joseph<\/strong>: Gesetz ist Gesetz. Und Augustus ist unnachgiebig. <strong> <br>Maria<\/strong>: Es sollte dir nicht schwer fallen, in Deine Heimat zu ziehen: nach Hause, zu deinen Verwandten. Denk an den Friedhof, die Synagoge, dein Elternhaus&#8230; <strong> <br>Joseph<\/strong>: Ich bin als ein Waisenknabe aus Bethlehem in die weite Welt gezogen. Auf Arbeitssuche, versteht sich. Meine entfernten Verwandten werden sich nicht nach mir sehnen. <strong> <br>Maria<\/strong>: Kannst du wissen, wie es sein wird?! <strong> <br>Joseph<\/strong>: Ich erinnere mich ganz gut, wie das einstige Bethlehem ausgesehen hat. Ich denke vor allem an den Brunnen des K\u00f6nigs David, aus dem er Wasser getrunken hat. Eigentlich: <em>beinahe<\/em> getrunken hat. &#8211; Das war vor gut f\u00fcnf Jahrhunderten. <br><strong>Maria<\/strong>: Aus den Erz\u00e4hlungen der Alten wei\u00df ich&#8217;s: Die Philister hatten wieder einmal &#8211; zum wievielten Mal schon? &#8211; Bethlehem belagert. Niemand konnte in die Stadt eindringen. Drei der tapfersten Soldaten des K\u00f6nigs pirschten sich unbemerkt bis an den Brunnen heran, sch\u00f6pften Wasser in einen Helm und brachten es dem K\u00f6nig ins Kriegslager. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Aber der K\u00f6nig, aus dessen Wurzel ich stamme, hat das Wasser ausgesch\u00fcttet, statt es zu trinken, wiewohl er sehr durstig war. <strong> <br>Maria<\/strong> Er wollte niemals eine Wohltat annehmen, f\u00fcr die ein Krieger sein Leben h\u00e4tte opfern m\u00fcssen. &#8211; Aus jenem Brunnen w\u00fcrde ich auch einmal Wasser trinken&#8230; <strong> <br>Joseph<\/strong>: Ich f\u00fcrchte, das Bethlehem meiner Kindheit wird es nicht mehr geben. <strong> <br>Maria<\/strong>: Sei zumindest stolz darauf, dass du ein Nachkomme des gro\u00dfen K\u00f6nigs bist. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Trotzdem kann ich mich f\u00fcr diesen Reiseweg nicht begeistern, zu dem mich der m\u00e4chtige Augustus zwingen will. <strong> <br>Maria<\/strong>: Wenn die M\u00e4chtigen befehlen, m\u00fcssen die Unbedeutenden gehorchen. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Wir stehen schlie\u00dflich mit einem Fu\u00df in dieser Welt. <strong> <br>Maria<\/strong>: Mit beiden F\u00fc\u00dfen erklimmen wir die Stufen des heiligen Tempels. Nicht zu vergessen! <strong> <br>Joseph<\/strong>: Als w\u00fcsste ich das nicht schon l\u00e4ngst&#8230; Ich frage mich blo\u00df, wie oft noch wird Gott, der Allheilige, mir solche Pr\u00fcfungen schicken? <strong> <br>Maria<\/strong>: So oft, bis du nicht mehr fragen wirst. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Schon zum wievielten Mal tritt uns der Kaiser Augustus auf die F\u00fc\u00dfe?! <strong> <br>Maria<\/strong>: Auch das wird eines sch\u00f6nen Tages vergessen sein. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Ein gro\u00dfer Schlaukopf &#8211; dieser Kaiser. <strong> <br>Maria<\/strong>: W\u00fcrdest du auf seinem Stuhl sitzen wollen? <strong> <br>Joseph<\/strong>: Um nichts in der Welt. <strong> <br>Maria<\/strong>: Warum sorgst du dich um ihn? <strong> <br>Joseph<\/strong>: Ganz einfach so&#8230; es gibt mir zu denken&#8230; <strong> <br>Maria<\/strong>: Du solltest lieber f\u00fcr ihn beten &#8211; f\u00fcr seine schuldbeladene Seele. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Er hat doch so viele Priester um sich her. <strong> <br>Maria<\/strong>: Das Gebet von ganz unten reicht am h\u00f6chsten. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Schau, es gibt immer Dinge, die ich nicht v\u00f6llig begreife. <strong> <br>Maria<\/strong>: Was kannst du nicht begreifen? <strong> <br>Joseph<\/strong>: Augustus wei\u00df, er muss seine Macht ausbauen. Darum f\u00fchrt er Kriege. Die Kriege verschlingen viel Geld. Das Geld quetscht er aus denen heraus, die er &#8211; wie er sagt &#8211; &#8222;befreit&#8220; hat. Ein Teufelskreis. Die Steuern, die er einnimmt, sind so etwas wie &#8222;Schutzgelder&#8220;. <strong> <br>Maria<\/strong>: So etwas hei\u00dft man Politik. Und dennoch: Die Gott suchen, denen wird das Herz leben. Wer den Herrn f\u00fcrchtet, hat eine sichere Festung. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Und jetzt muss ich hin gehen, woher meine Vorfahren stammen, muss mich in die Steuerlisten Bethlehems eintragen lassen &#8211; und mich vor Augustus verneigen. <strong> <br>Maria<\/strong>: Wenn du noch viel \u00fcber Augustus sprichst, dr\u00e4ngst du Gott, den Herrn, in den Schatten. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Wie gut, dass der Allm\u00e4chtige uns die Zweifel nicht aufrechnet. <strong> <br>Maria<\/strong>: Alles geschieht fein zu seiner Zeit, sagt der weise K\u00f6nig Salomo, &#8211; <strong> <br>Joseph<\/strong>: &#8211; denn der Mensch kann doch nicht treffen das Werk, das Gott tut, &#8212; <strong> <br>Beide<\/strong>: &#8212; weder Anfang noch Ende. &#8212; <strong> <br>Maria<\/strong>: Und jetzt bl\u00fcht uns ein neuer Anfang. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Jetzt, wenn ich so vieles f\u00fcr unser Heim zu verrichten h\u00e4tte, wenn die Zeit so teuer ist, muss ich gezwungener Weise &#8222;nach Hause&#8220; gehen. <strong> <br>Maria<\/strong>: Ich komme mit. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Es ist sehr weit bis dorthin. Du m\u00fcsstest dich schonen&#8230; <strong> <br>Maria<\/strong>: Seit der Engel des Herr sich mir gezeigt hat, erschauere ich vor dem Gedanken, er k\u00f6nnte mir ein zweites Mal erscheinen. Das w\u00fcrde ich nicht \u00fcberleben. Ich bleibe nicht allein zur\u00fcck. Ich komme mit dir. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Was werden wir anstellen, wenn wir gen\u00f6tigt sein werden, mit den Allzu vielen in der Warteschleife zu stehen. Aus allen Teilen des Reiches werden sie kommen&#8230; <strong> <br>Maria<\/strong>: Gott, der Barmherzige, wird schon jemandem das Herz erweichen, dass er sich meiner erbarme. <strong> <br>Joseph<\/strong> : Keine Sorge! Wem sich die Engel zeigen, der hat nicht, weshalb er sich f\u00fcrchten sollte. Der muss auch keine &#8222;Schutzgelder&#8220; bezahlen. Denn: <em>Der Herr hat seinen Engeln befohlen \u00fcber dir, dass sie dich auf den H\u00e4nden tragen, und du deinen Fu\u00df nicht an einen Stein sto\u00dfest&#8230; <\/em><strong> <br>Maria<\/strong>: Und Wasser aus dem Brunnen des K\u00f6nigs David solltest du mir auch sch\u00f6pfen&#8230; <strong> <br>Joseph<\/strong>: <em>Wir werden mit Freuden Wasser sch\u00f6pfen aus dem Heilsbrunnen.<\/em> <strong> <br>Maria<\/strong>: <em>Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder, denn der Allm\u00e4chtige hat gro\u00dfe Dinge an mir getan. Sein Name ist heilig. Und seine Barmherzigkeit w\u00e4hret f\u00fcr und f\u00fcr. <\/em><strong> <br>Joseph<\/strong>: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist &#8211; <strong> <br>Maria<\/strong>: Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, &#8211;<strong> <br>Beide<\/strong>: &#8211; und von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen!<\/p>\n\n\n\n<p>*******<\/p>\n\n\n\n<p><strong>II. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>AUF DEM MARKTPLATZ ZU BETHLEHEM <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>oder <br>Die Bedeutung der Unbedeutenden <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Marktfrauen gehen auf Tamar zu. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ester<\/strong>: Hat es jemals einen so menschenleeren Markt gegeben? <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Keine K\u00e4ufer \u2013 schaut euch das an! <strong> <br>Ruth<\/strong>: Das Volk trauert. <strong> <br>Alle<\/strong>: Wen &#8211; wen trauert das Volk? <strong> <br>Tamar<\/strong>: Habt ihr\u2019s nicht geh\u00f6rt? <strong> <br>Alle<\/strong>: Was denn? <strong> <br>Tamar<\/strong>: Herodes hat seinen Neffen get\u00f6tet. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Herodes, der K\u00f6nig? <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir haben l\u00e4ngst schon einiges geh\u00f6rt. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Aber wie sieht es mit der <em>Wahrheit<\/em> aus?! <strong> <br>Tamar<\/strong>: Herodes hat seinen Lieblingsneffen umgebracht. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Ich hab etwa ganz anders geh\u00f6rt. <strong> <br>Tamar<\/strong>: N\u00e4mlich? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Ein <em>Sklave<\/em> des K\u00f6nigs habe den Neffen get\u00f6tet. <strong> <br>Ester<\/strong>: Und wie soll er&#8217;s angestellt haben? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Der Sklave soll den Jungen so lange unter Wasser gehalten haben &#8211; bis er ertrunken ist. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Allem Anschein nach badeten sie im Schwimmbecken. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Ja, aber der Sklave habe dabei den <em>Befehl<\/em> des <em>Herodes<\/em> ausgef\u00fchrt. So wei\u00df ich&#8217;s. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Und du sagst, der K\u00f6nig hat den Befehl erteilt, da\u00df der Neffe&#8230;? <strong> <br>Ester<\/strong>: Der Neffe des K\u00f6nigs war ja bei allen beliebt. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Das ganze Volk hat den jungen Prinzen angehimmelt. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Keiner beherrschte das Harfenspiel wie er. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Und darum bef\u00fcrchtete Herodes, der Neffe k\u00f6nnte ihn des Thrones berauben. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Mensch, wie eifers\u00fcchtig! Das bedeutete, der Neffe <em>musste<\/em> verschwinden. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Jener Sklave bekam den Auftrag, er solle mit dem Prinzen im Wasser spielen&#8230; <strong> <br>Ruth<\/strong>: &#8211; und ihm den Kopf so oft unters Wasser halten, &#8211; bis er schlie\u00dflich ertrank. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Schrecklich! Was f\u00fcr ein grausames Wesen! <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Der Sklave? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Herodes! Wer sonst? <strong> <br>Tamar<\/strong>: Und was meint ihr, wer hat am meisten um den Prinzen geweint? <strong> <br>Ester<\/strong>: Du meinst Herodes?! <strong> <br>Tamar<\/strong>: So wie du es sagst. Und dazu mit Krokodilstr\u00e4nen. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Er hat sogar die Klageweiber \u00fcbertroffen; man dachte, er zerplatzt vor soviel &#8222;Schmerz&#8220;. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Was muss er doch f\u00fcr ein Tyrann sein! Ich finde keine Worte.<strong> <br>Hanna<\/strong>: Herr, beh\u00fct\u2019 einen jeden! <strong> <br>Tamar<\/strong>: Noch am selben Tag wurde jener Sklave enthauptet. <strong> <br>Alle<\/strong>: Enthauptet???<strong> <br>Tamar<\/strong>: Auf den Befehl des Herodes, versteht sich. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Und ihr h\u00e4ttet sehen sollen, was f\u00fcr ein prunkvolles Begr\u00e4bnis! <strong> <br>Tamar<\/strong>: S\u00e4mtliche Priester des Tempels haben gedient. <strong> <br>Ester<\/strong>: F\u00fcr jenen Sklaven? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Woher! F\u00fcr den &#8222;geliebten&#8220; Neffen! Der Sklave wurde den Raben \u00fcberlassen&#8230; <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Da siehst du, was ein Sklave z\u00e4hlt. Soviel wie nichts. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Vergebens hat sich der Sklave verteidigen wollen. Der Arme hat laut aufgeschrien und den ganzen Hergang dargelegt. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Er hat seine Stimme m\u00e4chtig erhoben vor allem Volk.<strong> <br>Tamar<\/strong>: Er hat alles bis ins einzelne erl\u00e4utert&#8230; Vergebens. <strong> <br>Hanna<\/strong>: F\u00fcr wen gelten die vielen Gesetze? Was richten die vielen Anw\u00e4lte und Richter aus?! <strong> <br>Ruth<\/strong>: Selbst die alte K\u00f6nigin Mutter konnte ihn vom Tod nicht befreien. Sie hat dauernd um Gnade gebettelt. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Was wird auch mit uns noch geschehen? <strong> <br>Alle<\/strong>: Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen. <em> <br>(An dieser Stelle kann ein Lied gesungen werden). <\/em><strong> <br>Tamar<\/strong>: Andere Neuigkeiten? <strong> <br>Ester<\/strong>: Das Gesetz des Kaisers Augustus! &#8211; Viele Menschen von \u00fcberall str\u00f6men herbei, um sich in die Steuerlisten eintragen zu <br>lassen. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Tagelang stehen sie in der Warteschlange. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Alle Herbergen sind \u00fcberf\u00fcllt, selbst die H\u00e4user der B\u00fcrger, sogar die Viehgrotten&#8230; <strong> <br>Tamar<\/strong>: Darum herrscht soviel Aufregung \u00fcberall. Als st\u00fcnden wir mit den F\u00fc\u00dfen in einem Ameisenhaufen. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Die Alten sagten: Wehe, wenn du mit deinem Stecken und Stab einen Ameisenhaufen \u201eaufruderst\u201c. <br><strong>Ruth<\/strong>: Zu allem sind r\u00f6mische Amtsleute mit Gewalt in unsere Wohnungen eingedrungen, so da\u00df wir nun im Stall und auf der Weide schlafen m\u00fcssen. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Mit den r\u00f6mischen Offizieren haben wir das gleiche durchgemacht. Sie zahlen keine Miete, daf\u00fcr musst du ihnen t\u00e4glich ein Lamm schlachten. Unentgeltlich, versteht sich. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Zu allem haben wir dieser Tage zwei Menschen ins Quartier genommen. Sie kommen aus Nazareth. <strong>Er<\/strong> ist ein reifer, abgekl\u00e4rter Mann, <strong>sie<\/strong> eine zerbrechliche Frau mit viel Herz und Seele, die ihren gesegneten Leib mit Stolz und W\u00fcrde tr\u00e4gt. Wir haben sie in der Grotte des Jesse untergebracht. Dorthin treiben wir gew\u00f6hnlich das Vieh bei schlechtem Wetter. Ihr wisst ja, die Grotte ist unser Erbteil seit fernen Tagen. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Seht euch die Warteschleife an. Die armen Leute stehen tagelang, bis sie an die Reihe kommen. Dann sagen sie ihren Namen, erkl\u00e4ren, was sie alles besitzen &#8212; <strong> <br>Hanna<\/strong>: &#8212; und das alles, um zu erfahren, wie viel an Steuern sie zu zahlen haben. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Nicht zu vergessen die Unterschrift, gesetzt auf ein Papyrus so gro\u00df wie ein Handtuch. <br><strong>Ester<\/strong>: Papyrus wird von kundigen Meistern aus Teichrohr hergestellt, das an den Ufern des Nil w\u00e4chst. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: In \u00c4gypten ist Papyrus billig, bei uns teuer. Erst recht w\u00fcrde niemand sparsam damit umgehen. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Einige R\u00f6mer schlagen sogar ihr Pausenbrot in Papyrus ein. Der alte Kaiser kann ja zahlen&#8230; <strong> <br>Tamar<\/strong>: Ruth, schau\u2019 mal, da kommt Ahab, euer Hirte. Wie eilig er es hat! <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Als suchte er jemanden&#8230; <strong> <br>Ruth<\/strong>: Wen suchst du, Ahab? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Jenen B\u00fcrger aus Nazareth, den du mit seinem Weib in der Grotte des Jesse aufgenommen hast. Er hei\u00dft Joseph. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Er muss inzwischen bei den Stufen der Kanzlei angekommen sein. Er hat sich gestern Abend schon angestellt. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Sollst du ihm etwas Wichtiges mitteilen? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Er soll schleunigst zur Grotte des Jesse kommen. <strong> <br>Alle<\/strong>: Warum wohl? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Maria, sein Weib soll bald niederkommen. <strong> <br>Alle<\/strong>: Niederkommen??? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Geh, Ahab, zu den Stufen der Kanzlei. Vielleicht ist er schon drinnen. Beim &#8222;Verh\u00f6r&#8220;. <em> <br>(Ahab entfernt sich) <\/em><strong> <br>Ester<\/strong>: Was bedeutet auch das noch: Nazareth? <strong> <br>Tamar<\/strong>: Nazareth &#8211; so hei\u00dft ein Marktflecken in Galil\u00e4a. Es ist weit bis dahin. Du m\u00fcsstest gen Mitternacht wandern. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Was kann aus Nazareth Gutes kommen? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Du siehst ja, unsere Volksgenossen kommen aus Gegenden, von denen du noch nie etwas geh\u00f6rt hast. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Ich dachte, wenn ich hierher komme, erwarten mich Neuigkeiten aus erster Hand. <strong> <br>Ester<\/strong>: Willst du sagen, die Narreteien des Herodes seien langweilig? <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Siehst du nicht, Hanna, wir erwarten ein neues Leben. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Neues Leben wie neues Leben, aber es sollte aus dem Herzen ausgehen. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Mit jedem Neugeborenen kommt ein neues Herz in die Welt. So war es auch, als meine sechs Kinder zur Welt kamen. Es <br>ist mir, als m\u00fcsste das Kind, das jetzt an die Pforten des Lebens klopft, mein siebentes sein. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Der Markt wird geschlossen &#8211; was tun wir? <br><strong>Ester<\/strong>: Ich sag, wir gehen nach Hause. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Wir k\u00f6nnen gen\u00fcgend Neuigkeiten verbreiten. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Es h\u00e4lt mich etwas Geheimnisvolles an den Ort gebannt. Ich muss aber schleunigst zur Grotte. Das Weib des Joseph wird meine Hilfe brauchen. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Seht, Ahab kommt mit Joseph. <br><strong>Tamar<\/strong>: Sie kommen mit schnellen Schritten. <strong> <br>Ester<\/strong>: Als verfolgte sie der Leviathan. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Wie ist es dir ergangen, Joseph? <strong> <br>Joseph<\/strong>: Ich bin hindurch! Ich bin hindurch! Fragen, Antworten und eine Unterschrift. <strong> <br>Alle<\/strong>: Andere Neuigkeiten? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Wir haben keine Zeit f\u00fcr Neuigkeiten. Wir m\u00fcssen uns beeilen. <br><strong>Magdalena<\/strong>: Geburtswehen vertragen keinen Aufschub. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Das Leben dr\u00e4ngt sich aus den Tiefen der Ewigkeit in die Zeit. <strong> <br>Ruth<\/strong>: So hat es Gott gewollt, &#8212; <strong> <br>Alle<\/strong>: &#8212;&nbsp; so ist&#8217;s seit Anbeginn der Welt. <\/p>\n\n\n\n<p><em>(Alle entfernen sich) <\/em><strong> <br>Es folgt ein Lied. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. <\/strong><em>Die Frauen kommen aus verschiedenen Richtungen auf Tamar und Ahab zu, die miteinander reden. Ruth singt einen Psalm oder ein Weihnachtslied. Die Frauen begleiten ihren Gesang. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tamar<\/strong>: Was ist los mit dir, Ruth? &#8211; du bist so fr\u00f6hlich&#8230; <strong> <br>Ruth<\/strong>: Christus ist geboren &#8211; hier in der Stadt Davids. <strong> <br>Alle<\/strong>: Der Gesalbte des Herrn? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Fragt nur den Hirten Ahab. <strong> <br>Ahab<\/strong>: Was Ruth euch sagt, ist wahr. <strong> <br>Ester<\/strong>: Woher willst du es wissen, Ahab? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Ich hab\u2019 ihn mit eigenen Augen gesehen. &#8211; <strong> <br>Ruth<\/strong>: Der Engel des Herrn hat ihm den Namen gegeben. Das haben mir seine Eltern versichert. <strong> <br>Ahab<\/strong>: ER hei\u00dft <strong>JESUS<\/strong>, also: <strong>Gott steht auf unserer Seite<\/strong>: auf der Seite der Unbedeutenden. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Wo ist er zur Welt gekommen? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Nicht weit von hier, in der Grotte des Jesse. Ruth, du kannst stolz sein&#8230; <strong> <br>Tamar<\/strong>: David, der Sohn des Jesse, der sp\u00e4tere K\u00f6nig, ist in dieser Grotte oft genug ein- und ausgegangen. &#8211; Als er noch ein Hirte war. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Wie sieht der Neugeborene aus? <strong> <br>Tamar<\/strong>: Wie ein Kind. <br><strong>Magdalena<\/strong>: Wie ein Kind? <strong> <br>Alle<\/strong>: Grad wie ein Kind? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Wir Hirten h\u00fcteten des Nachts unsere Herde. Und siehe, des Herrn Engel stand pl\u00f6tzlich vor uns &#8211; und wir f\u00fcrchteten um unser Leben. Der Engel aber redete wie durch ein Sprachrohr: <strong>F\u00fcrchtet euch nicht! Siehe ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. <br>Alle<\/strong>: Christus, der Herr??? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Christus, der Herr! <strong> <br>Alle<\/strong>: In der Stadt Davids??? <strong> <br>Ahab<\/strong>: In der Stadt Davids! Und weiter sagte er: <strong>Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. <br>Alle<\/strong>: In einer Krippe? <strong> <br>Ahab<\/strong>: In einer Krippe! Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: <strong>Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens! <br>Alle<\/strong>: Seines Wohlgefallens&#8230; <br><strong>Tamar<\/strong>: Der Herr hat gro\u00dfe Dinge an uns getan, &#8212; <strong> <br>Alle<\/strong>: &#8212; des sind wir alle fr\u00f6hlich&#8230; <strong> <br>Ahab<\/strong>: Als die Engel von uns gen Himmel fuhren, sagten wir einer zum andern: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und wir kamen eilend und fanden &#8211; was meint ihr wen? <strong> <br>Alle<\/strong>: Wen? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Die Frau jenes Mannes aus Nazareth, den ich hier gesucht habe. <strong> <br>Alle<\/strong>: Und das Kind??? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Das erleuchtete Kind lag in der Krippe. <br><strong>Ruth<\/strong>: Die Frau hei\u00dft Maria! <strong> <br>Alle<\/strong>: Maria??? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Maria! &#8211; Was haben wir uns nicht gefreut! Wir breiteten das Wort aus, das der Engel \u00fcber das Kind gesagt hat; und \u00fcber uns alle breitete sich lauter Freude aus. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Der Herr hat gro\u00dfe Dinge an uns getan, &#8212;- <strong> <br>Alle<\/strong>: &#8212;- des sind wir alle fr\u00f6hlich. <strong> <br>Ahab<\/strong>: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Wiewohl es eine schwere Geburt war. Alle im Haus haben zugegriffen. Magdalena unterst\u00fctzte mich noch am tatkr\u00e4ftigsten. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Wir hatten die Anstrengungen kaum erst hinter uns, da kam Ahab mit seinen Hirtenbr\u00fcdern Hiskia, Joram und Manasse, knieten nieder vor der Krippe und sangen Psalmen. <strong> <br>Ahab<\/strong>: Hinzu kamen etliche Sterndeuter aus Persien, Gelehrte des Himmels. Sie beteten das Kind an und verneigten sich wie Priester. Sie waren kurz zuvor bei Herodes, um sich von ihm und seinen Ratgebern unterweisen zu lassen. Sie wurden nach Bethlehem gewiesen; denn so steht es in den Heiligen Schriften. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Lest einmal nach beim Propheten Micha&#8230; <strong> <br>Ahab<\/strong>: Ein gro\u00dfer Stern geleitete bis hierher. Sie hatten es eilig mit dem R\u00fcckweg; denn sie mussten noch kurz bei Herodes vorbeisehen. Sie h\u00e4tten nicht wissen k\u00f6nnen, wie grausam der K\u00f6nig ist. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Sie haben dann doch Geschenke wie f\u00fcr ein K\u00f6nigskind vor der Krippe niedergelegt: <strong>Gold, Weihrauch und Myrrhe. <\/strong><strong> <br>Ester<\/strong>: Die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland, Joseph, Maria &#8211; und ihr alle &#8211; dazu die vielen Geschenke; &#8212; <strong> <br>Hanna<\/strong>: &#8212; das bedeutet, es war kein Platz f\u00fcr viele Leute. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Das Licht hat anscheinend die W\u00e4nde nach den Seiten verschoben. Eine ganze Welt h\u00e4tte Raum finden k\u00f6nnen in der Grotte des Jesse. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Gute Schafe vertragen sich auch auf engem Raum, sagt man bei uns. <em> <br>(Joseph und Maria erscheinen mit dem Kind; es ist in Windeln gewickelt).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Magdalena<\/strong>: Joseph kommt. &#8211; Mit Maria und dem Kind. <strong> <br>Alle<\/strong>: Ist etwas vorgefallen? <strong> <br>Joseph<\/strong>: Herodes steht dem Kinde nach dem Leben. Gott hat mir im Traum geboten, mit dem Kind und seiner Mutter nach \u00c4gyptenland zu fliehen. <strong> <br>Ahab<\/strong>: Keine Zeit zu verlieren! Ich muss Joseph und die Seinen bis an den Weg nach Jericho geleiten. Von dort ist die Grenze nicht mehr weit. Ihr Frauen aber werdet&#8230; <strong> <br>Ruth<\/strong>: Lass sein, wir Frauen wissen schon, was wir zu tun haben&#8230; <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Wir werden zu erst die Nachricht von der Geburt des Erl\u00f6sers verbreiten. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Die ganze Welt soll die Frohe Botschaft erfahren. <strong> <br>Ahab<\/strong>: Damit wird&#8217;s nicht genug sein. Ihr m\u00fcsstet auch&#8230; <strong> <br>Ester<\/strong>: Du musst uns nicht erkl\u00e4ren, was wir zu tun haben. <strong> <br>Joseph<\/strong>: Gute Leute, wir finden schon unseren Weg &#8211; auch ohne Hilfe. Ich f\u00fcrchte, Herodes, der K\u00f6nig k\u00f6nnte euch verfolgen und einkerkern, wie er&#8217;s schon so oft getan hat. Er k\u00f6nnte euch sogar t\u00f6ten. Wir werden uns geschwind entfernen. Lebt wohl und Friede sei mit euch! <strong> <br>Ahab<\/strong>: Ich werde euch begleiten &#8212; <strong> <br>Tamar<\/strong>: &#8212; und wir Frauen, wir gehen hinauf zur Burg Herodium. Wir werden mit lauter Stimme dem Tyrannen ins Ohr schreien, er soll doch Mitleid haben mit dem Kind. <strong> <br>Maria<\/strong>: <strong>Meine Seele erhebt den Herrn, <\/strong><strong>und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich preisen alle Kindeskinder; denn er hat gro\u00dfe Dinge an mir getan, der da m\u00e4chtig ist, und dessen Name heilig ist. Joseph<\/strong>: <strong>Herr, deine G\u00fcte reicht soweit der Himmel ist, <\/strong><strong>und deine Wahrheit soweit die Wolken gehen. Was betr\u00fcbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. <br>Maria<\/strong>: Herr hilf, <strong> <br>Joseph<\/strong>: Herr, lass wohl gelingen. <strong> <br>Alle<\/strong>: Amen! <em> <br>(Ahab, Maria und Joseph entfernen sich). <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna<\/strong>: Seid ihr sicher, dass Herodes sich oben in der Burg aufh\u00e4lt? <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Er hat die Burg zu Ehren der K\u00f6nigin Mutter ausbauen lassen. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Und er hat sie uns fast wie vor die Nase gesetzt. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Von hier bis hinauf zur Burg m\u00fcssen wir tausend Schritte gehen. <strong> <br>Ester<\/strong>: Weit hinter der Anh\u00f6he liegt das Tote Meer. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Dort oben gef\u00e4llt&#8217;s dem K\u00f6nig besser als in Jerusalem. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Er kann uns in den Topf und in den Teller sehen. <strong> <br>Ester<\/strong>: Ich hab von einer Magd erfahren, dass heute Abend der Geburtstag der K\u00f6nigin Mutter gefeiert wird. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Grund genug f\u00fcr eine Amnestie. Wird sich der K\u00f6nig von unserm Anliegen erweichen lassen? <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Es hei\u00dft, der Tyrann habe ein Kind in der Seele. <strong> <br>Ester<\/strong>: Und um das eigene Kind zu verteidigen, muss er &#8211; andere Kinder t\u00f6ten&#8230; <strong> <br>Tamar<\/strong>: Kommt nun, wir sollen uns vor der Burg des Tyrannen aufstellen. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Dort oben steht niemand in einer Warteschleife. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Wir werden die ersten sein. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Herodes t\u00f6tet wohl M\u00e4nner und Rivalen; &#8212; <strong> <br>Ester<\/strong>: &#8212; aber den Frauen kr\u00fcmmt er kein Haar. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Das haben ihm die R\u00f6mer beigebracht. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Wir werden den finsteren K\u00f6nig herausfordern. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Es liegen noch tausend Schritte Weges vor uns&#8230; <strong> <br>Alle<\/strong>: Und w\u00e4ren&#8217;s zehntausend! <em> <br>(Die Frauen entfernen sich). <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es folgt ein Lied. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Magdalena<\/strong>: Endlich sind wir angekommen. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Vor der stolzen Burg des Herodes! <strong> <br>Ruth<\/strong>: Und wie viel Licht in allen R\u00e4umen! <strong> <br>Ester<\/strong>: Geburtstagsfeier f\u00fcr die K\u00f6nigin Mutter. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Oder warten sie auf sonst jemanden?! <strong> <br>Ruth<\/strong>: Wom\u00f6glich warten sie auf die R\u00fcckkehr der Sterndeuter?! <strong> <br>Tamar<\/strong>: Es wird aber niemand kommen. <strong> <br>Alle<\/strong>: Niemand? <strong> <br>Tamar<\/strong>: Wie &#8211; ihr habt nichts erfahren? Die Sterndeuter sind l\u00e4ngst schon unterwegs nach Persien. <br><strong>Ester<\/strong>: Haben sie den Tyrannen abgesch\u00fcttelt? <strong> <br>Ruth<\/strong>: Ich hab&#8217;s von jenem Menschen erfahren, der die Kamele der Perser besorgt hat: Gott der Herr habe ihnen im Traum befohlen, ihre Schritte nicht mehr zu Herodes zu lenken. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Und so zogen sie auf einem andern Wege wieder zur\u00fcck in ihr Land. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Kommt, wir sollen unsern Mahnruf an Herodes richten <em>(laut)<\/em>: Herodes, hab Mitleid mit dem Kind! <strong> <br>Alle<\/strong>: Hab Mitleid mit dem Kind! <strong> <br>Ester<\/strong>: Besch\u00fctze das Kind! <strong> <br>Alle<\/strong>: Besch\u00fctze das Kind! <strong> <br>Hanna<\/strong>: Hab Mitleid mit dem Kind. Wir fordern Mitleid. <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir fordern Mitleid! <br><strong>Ruth<\/strong>: Die Welt erhebt sich gegen Gott. <strong> <br>Alle<\/strong>: Hab Mitleid mit dem Kind! <strong> <br>Tamar<\/strong>: Ein Volk steht wider das andere auf. <strong> <br>Alle<\/strong>: Besch\u00fctze das Kind! <strong> <br>Ruth<\/strong>: Sag zu dem r\u00f6mischen Kaiser: Augustus, stell die Kriege ein! <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir wollen das Kind! <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Wir haben erfahren, du bist ein Kinderfeind. <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir wollen das Kind, wir wollen das Kind, wir wollen das Kind! <strong> <br>Ester<\/strong>: Eine Welt ohne Kinder ist eine sterbende Welt! <strong> <br>Alle<\/strong>: Hab Mitleid mit dem Kind! <strong> <br>Hanna<\/strong>: Das Kind bewirkt mehr Wunder als tausend M\u00e4chtige. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Darum wollen wir das Kind. <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir Wollen das Kind. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Gesegnet sei der Tempel des Herrn und wer da ein- und ausgeht. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Friede \u00fcberall! <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir wollen das Kind, wir wollen das Kind, wir wollen das Kind! <strong> <br>Hanna<\/strong>: Es soll Frieden herrschen in den Herzen und in den H\u00fctten, &#8212; <strong> <br>Magdalena<\/strong>: &#8212; auf allen Stra\u00dfen der Welt! <strong> <br>Ester<\/strong>: Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, &#8212;- <strong> <br>Ruth<\/strong>: &#8212; und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; &#8212; <strong> <br>Tamar<\/strong>: &#8212; und er hei\u00dft Wunderbar, Tat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedef\u00fcrst&#8230; <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir wollen das Kind! <strong> <br>Tamar<\/strong>: Achtung, Herodes erscheint auf dem Vorbau. <strong> <br>Ester<\/strong>: Er macht uns ein Zeichen mit der Hand: er will etwas sagen. <strong> <br>Stimme des Herodes<\/strong>: (unverst\u00e4ndlich) <strong> <br>Hanna<\/strong>: Er schw\u00f6rt, das Kind sei nicht in der Burg. Er hat uns falsch verstanden. <strong> <br>Ester<\/strong>: Er denkt, wir vermuten das Kind in der Burg. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Er hebt ein Schwert in die H\u00f6he. <strong> <br>Ruth<\/strong>: Wir rufen noch einmal mit lauter Stimme. <strong> <br>Alle<\/strong>: Wir wollen nicht, wir wollen nicht, wir wollen nicht nach Hause gehen. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Wir wollen, das Kind soll leben. <strong> <br>Ester<\/strong>: Ohne das Kind geht die Welt unter. <strong> <br>Alle<\/strong>: Das Kind soll am Leben bleiben! <strong> <br>Hanna<\/strong>: Das Kind erf\u00fcllt unser Herz mit Freude! <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Das Kind bringt uns bei, wie wir Menschen sein sollen. <strong> <br>Alle<\/strong>: Das Kind muss gerettet werden! <strong> <br>Tamar<\/strong>: Seht, der Sklave Eliud kommt auf uns zu. <strong> <br>Eliud<\/strong>: Es reicht, ihr Frauen! Ihr habt den verschlagenen Tyrannen \u00fcberwunden. Mit wie viel Wut hat Herodes in allen Winkeln der Burg gesucht! Mit all seinen W\u00e4chtern. Er hat sie aus der ganzen Umgebung zusammen gerufen. Die ganze Zeit hat er aufgeschrieen: &#8222;Nachsuchen!&#8220; und: &#8222;Am End versteckt ER sich im Innern meiner Burg?!&#8220; Den ganzen Keller hat er aufgest\u00f6bert. Alle M\u00f6bel hat er \u00fcbereinander geworfen. <strong> <br>Ester<\/strong>: In dieser Zeit hat Joseph ungest\u00f6rt fliehen k\u00f6nnen. <strong> <br>Eliud<\/strong>: Vorhin ist dem finsteren Tyrannen ein viel grausamerer Gedanke durch den Kopf gegangen. Er hat das Schwert genommen und hat geschworen, dass er sich r\u00e4chen werde an der &#8222;Falschheit der Sterndeuter&#8220; und an eurer &#8222;Unversch\u00e4mtheit&#8220;. Die R\u00f6mer haben ihm verboten, Frauen und M\u00e4dchen zu bestrafen. Ihr braucht euch also nicht zu f\u00fcrchten&#8230; <strong> <br>Hanna<\/strong>: Was hab ich euch gesagt! <strong> <br>Eliud<\/strong>: Vorhin hat er angeordnet, es sollen alle Kn\u00e4blein im Alter unter zwei Jahren get\u00f6tet werden mit der Absicht, dass jenes prophezeite Kind auch get\u00f6tet werde.<strong> <br>Magdalena<\/strong>: Herr, beh\u00fct einen jeden &#8212; vor solch einem Tyrannen. <strong> <br>Tamar<\/strong>: F\u00fcr all seine Grausamkeiten wird er Rechnung ablegen m\u00fcssen vor dem Allerh\u00f6chsten. <strong> <br>Eliud<\/strong>: Das Gericht zeigt sich schon jetzt an ihm. Jeden Tag muss ich einen Wurm aus seinem Fleisch ziehen. Heute in der Fr\u00fch waren es zwei. Und was hat er nicht um Hilfe geschrieen&#8230; <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Und schau, er sagt sich nicht los von seinen \u00fcblen Taten. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Viel eher w\u00e4lzt er sich wie eine Schlange im Sumpfland des Niels. <strong> <br>Eliud<\/strong>: Mein armer Bruder hat den Neffen des K\u00f6nigs ertr\u00e4nken &#8222;m\u00fcssen&#8220;. Dann ist er selbst enthauptet worden. Jetzt k\u00e4mpfe ich entschieden gegen den Tyrannen &#8211; f\u00fcr das Kind. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Ruth, um alles in der Welt, wo hast du deinen j\u00fcngsten Sohn zur\u00fcck gelassen, Ruth? <strong> <br>Ruth<\/strong>: In der Grotte des Jesse. Dort wird ihn niemand suchen. Seine gr\u00f6\u00dferen Geschwister werden ihn gut besorgen. Und au\u00dferdem: Die Frau des r\u00f6mischen Offiziers, die bei uns wohnt, sie will unsern Ephraim an Sohnesstatt annehmen, solange die tr\u00fcben Zeiten andauern. Seit gestern hei\u00dft er Lucius. <strong> <br>Ester<\/strong>: Es wird aber viele Frauen geben, die von hinfort sehr viel erleiden m\u00fcssen. <strong> <br>Eliud<\/strong>: Es wird ein anderes Trauern geben als um den Neffen des Herodes&#8230; <strong> <br>Hanna<\/strong>: Auch viele Gro\u00dfm\u00fctter werden weinen. Denn was ist teuerer als ein Enkelchen?! <strong> <br>Tamar<\/strong>: Seht, Ahab ist schon zur\u00fcck. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Was bringst du uns f\u00fcr eine Nachricht? <strong> <br>Ahab<\/strong>: Die gute Nachricht, dass der Neugeborene au\u00dfer Lebensgefahr ist. Er ist schon jenseits der Grenze, auf dem Weg nach \u00c4gyptenland. Die schlechte Nachricht: durch alle H\u00e4user der Bethlehemiter ziehen die W\u00e4chter des Herodes mit dem Schwert und t\u00f6ten die Knaben im Alter unter zwei Jahren. <strong> <br>Ester<\/strong>: Schlechter k\u00f6nnte es nicht sein. Ach, weh&#8230; <strong> <br>Eliud<\/strong>: Die Zeiten des Propheten Jeremia kehren wieder: &#8222;Auf den Bergen hat man ein Geschrei geh\u00f6rt, viel Klagens, viel Weinens und Heulens; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht tr\u00f6sten lassen, denn es war aus mit ihnen&#8220;. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Kommt, wir stimmen unser Klagelied an: <strong> <br>Alle<\/strong>: Ach, wie steht sie verlassen, die Zitadelle Bethlehem. Einst so voller Kinder. Sie ist geblieben wie eine Witwe. Ach, weh&#8230; Sie, die sonst gro\u00df war unter den Nachbarn ist nun zur Sklavin der andern geworden. Sie weint bitterlich in der Nacht und die Tr\u00e4nen rollen ihr \u00fcber die Wangen. Ach, weh&#8230; Kein einziger von den vielen, die sie einst geliebt haben, tr\u00f6stet sie jetzt; alle ihre Freunde haben sie verlassen. Ach, weh&#8230; <br>Herr, du hast das Grauen herzu gerufen wie ein Unwetter. Aus allen Ecken und Enden \u00fcberf\u00e4llt es uns; Erinnere dich an das, was uns zugesto\u00dfen ist:&nbsp; <br>Die Frauen weinen wie Kriegswitwen. Ach, weh&#8230; <br>Aber der Herr ist mein Erbteil, sagt meine Seele zu mir, darum hoffe ich auf ihn. <br>Der Herr ist gut zu denen, die auf ihn vertrauen, den Seelen , die ihn suchen. <br>Denn der Herr l\u00e4sst nicht f\u00fcr immer zu Schanden werden. Herr, erbarm\u2019 dich \u00fcber uns. <strong> <br>Ahab<\/strong>: Ich bin ein Nachkomme des Propheten Amos. Durch die Kraft seines Wortes befl\u00fcgelt, sage ich euch: Das Opfer der Kinder von Bethlehem wird nicht vergessen werden in Ewigkeit. Sie werden die ersten Blutzeugen sein f\u00fcr das, was kommen wird: <strong> <br>Alle<\/strong>: <strong>Die Kirche des einzig geborenen Sohnes Gottes.<\/strong> <strong> <br>Ahab<\/strong>: Die Stimme des Himmels \u00fcber Bethlehem wird sich ausbreiten \u00fcber die Toten und Lebenden aller V\u00f6lkerschaften. <strong> <br>Tamar<\/strong>: Kommt, lasst uns Trost stiften unter den vielen M\u00fcttern, die ihre Kinder verloren haben. <strong> <br>Hanna<\/strong>: Herr, unser Gott, lass leuchten dein Antlitz &#8212;- <strong> <br>Alle<\/strong>: &#8212;- so genesen wir.<strong> <br>Alle<\/strong>: <strong>Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. <\/strong><strong> <br>Ahab<\/strong>: Ihr aber sollt stolz sein, dass ihr den heiligen Christ gerettet habt. Von hinfort wird ER euch retten. Geht und verbreitet die Nachricht \u00fcber die Geburt des Sohnes. Alle Welt soll erfahren: Keine Macht der Welt kann uns den einzig geborene Sohn Gottes rauben. <strong> <br>Alle<\/strong>: Keine Macht der Welt! <strong> <br>Ruth<\/strong>: Dient dem Herrn mit Freuden und freut euch mit Zittern. <strong> <br>Magdalena<\/strong>: Ehrt den Sohn, da\u00df er sich nicht wider euch kehre. &#8212; <strong> <br>Tamar<\/strong>: &#8212; da\u00df ihr abhanden kommt von seinem Weg. <strong> <br>Ester<\/strong>: Selig sind alle, die ihn annehmen. <strong> <br>Ahab<\/strong>: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. &#8212; <strong> <br>Alle<\/strong>: Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. <br>AMEN:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es folgt ein Lied. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>### <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Nota bene <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die beiden Anspiele k\u00f6nnen in jede Sprache, in jede Mundart \u00fcbersetzt werden. Sie erg\u00e4nzen einander, k\u00f6nnen aber auch gesondert aufgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die Rechtschreibung ist etwas eigenwillig gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen vorgenommen werden. Auch im Blick auf Lieder und Bibelstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Auch die Zahl der Gestalten ist nicht zwingend. Die weiblichen und m\u00e4nnlichen Rollen lassen sich unterteilen oder zusammenziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>#######<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>DIE MARKTWEIBER VON BETHLEHEM oder Auf den alten Kaiser los&#8230; (Kundmachung zur Geburt Christi) Gestalten: Joseph, Maria. Ester, Hanna, Magdalena, Ruth, Tamar. Abab, ein Hirte, Eliud, ein Sklave, Stimme des Herodes. I. 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